Pilgerreise nach Köln – Aachen – Luxemburg

Mit etwas Verspätung starteten wir am Freitag, den 27. Juni 2014 unsere Pilgerfahrt per Bus nach Köln, Aachen und Luxemburg. Der Stau auf der Autobahn konnte unsere gute Stimmung nicht trüben, es wurde gesungen und gebetet und schon bald machten verschiedene z.T. selbstgebackene Delikatessen die Runde und wurden gebührend gewürdigt. Kurz nach der Grenze machten wir einen Halt und fuhren danach nach Frankenthal ins Hotel Achat. Während der Fahrt dorthin hatten alle die Gelegenheit zur Beichte. Gegen 23 Uhr kamen wir etwas müde aber zufrieden im Hotel an.

Nach dem Frühstück fuhren wir am Samstag, den 28. Juni um 08.30 nach Koblenz, wo wir unseren Reiseführer abholten. Nach dem Mittag kamen wir bei trübem Wetter in Köln an. Gleich nach der Ankunft besichtigten wir die St. Andreas-Basilika, wo wir in der Vorhalle den sog. Blutbrunnen der Heiligen Ursula besichtigten und in der Kathedrale den Makkabäerschrein. Der aus vergoldeten Kupferplatten gefertigte Makkabäerschrein, der der Überlieferung nach Reliquien der sieben heiligen Makkabäerbrüder und ihrer Mutter Salome beinhalten soll, stammt aus dem 16. Jh. und hat das Aussehen einer Kirche. Auf den rund 40 Reliefs sind Szenen aus dem Martyrium der Makkabäer und ihrer Mutter Salome zu erkennen, die zur Passion Christi und seiner Mutter Maria in Parallele gesetzt werden.

Nach einem Gebet zum Gedenken des Apostels Andreas, Bruder von Simon Petrus, rannten wir in strömendem Regen zum Kölner Dom. Der Dom ist die Kathedrale (Bischofskirche) des Erzbistums Köln und steht unter dem Patronat des Hl. Petrus. Er wurde 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Er ist 157.38 m hoch und somit das zweithöchste Kirchengebäude Europas, die Bauzeit begann im 13. und endete erst im 19. Jahrhundert. In der Kirche befindet sich der Dreikönigsschrein. Der aus dem 13. Jahrhundert datierte Dreikönigsschrein dominiert durch seine zentrale Aufstellung den Chorraum und ist die grösste Goldschmiedearbeit des Mittelalters von Europa. Mit einer Breite von 110 cm, einer Höhe von 153 cm und einer Länge von 220 cm verkörpert der im Stil einer Basilika errichtete Schrein die Dreieinigkeit Gottes. 74 getriebene Figuren aus vergoldetem Silber schmücken den Schrein. Edelsteinbesetzte Filigranplatten, farbige Bänder aus Emailstreifen, blaugoldene Inschriftenzeilen, gegossene Metallkämme an den Giebelfeldern der Front- und Rückseite gliedern und umschließen das kostbare Behältnis. Über 1000 Edelsteine und Perlen erhöhen den Glanz. Zahlreiche antike Gemmen und Kameen stellen schon für sich alleine mit 300 geschnittenen Steinen weltweit die größte Bildsammlung antiker Bildsteine des Mittelalters dar. Der Schrein beherbergt die als Gebeine der heiligen drei Könige verehrten Reliquien.

Gegen 15 Uhr fuhren wir nach Aachen weiter, wo wir immer noch im strömenden Regen den Aachener Dom besuchten. Patronin der Kathedrale ist die Gottesmutter Maria. Karl der Grosse liess den Zentralbau gegen Ende des achten Jahrhunderts als Kern seiner Pfalzanlage errichten. Das ursprüngliche, vielleicht schon um 800 ausgeführte und aus mittelalterlichen Quellen stammende Motiv des Kuppelmosaiks mit Christus als dem triumphierenden Weltenherrscher (Pantokrator) umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten, dem die 24 Ältesten aus der Apokalypse des Johannes ihre Kronen darbringen, wurde in den Jahren 1880/81 im Stil des Neobyzantinismus neu geschaffen. Spätestens hier wird deutlich: Die Pfalzkapelle dient als Abbild des Himmlischen Jerusalems. Im Mittelalter entwickelte sich die Aachener Heiligtumsfahrt zur bedeutendsten Wallfahrt im deutschsprachigen Raum. Die ersten Pilger kamen schon zu Zeiten Karls des Grossen nach Aachen. Der Dom beherbergt den Marienschrein. Der Schrein ist ähnlich wie sein architektonisches Vorbild, das frühchristliche Gotteshaus in Form der Basilika, als Abbild des Himmels zu verstehen. Dieser Schrein, ein Meisterwerk der mittelalterlichen Goldschmiedekunst, entstand zwischen 1220 und 1238 in einer Aachener Goldschmiedewerkstatt. Seit 1239 werden in ihm die vier grossen Aachener Heiligtümer verwahrt, textile Reliquien, die seit Jahrhunderten als Symbole verehrt werden und an das irdische Leben Jesu, seiner Mutter Maria und des hl. Johannes des Täufers erinnern. Der vier Reliquien bestehen aus dem Kleid der Gottesmutter, ein Tunika artiges Gewand aus feinem weissem Leinen; der Windel Jesu bestehend aus einem ungefärbten, dunkelbraunen, beidseitig gewalkten Kamel- oder Ziegenhaarwollgewebe; dem Enthauptungstuch Johannes‘ des Täufers, ein längsrechteckiges, an allen vier Seiten umsäumtes weisses Tuch aus feinstem Leinendamast, das in der Mitte durch Reliquienentnahme völlig zerschnitten ist und dem Lendentuch Jesu, ein grobes bräunliches Leinengewebe in Dreiecksform mit abgeschnittener Spitze. Mit dem Lendentuch wird nach jeder Zeigung der Heiligtümer der Segen erteilt.

Vor der Abfahrt nach Trier hatten wir Zeit für einen Stadtbummel, einer Stärkung kulinarischer Art oder einige gingen nochmals zurück in den Dom, um die oben genannten Heiligtümer nochmals in aller Ruhe und ohne Gedränge verehren zu können.

Die Übernachtung erfolgte in Trier, von wo wir am Sonntag, den 29. Juni nach Luxemburg fuhren, wo wir um 10.00 Uhr in der Kirche des heiligen Peter und Paul herzlich empfangen wurden und am Gottesdienst teilnehmen durften. Die kleine Kirche war bis zum Bersten voll und von den vielen Kerzen wurde es so warm, dass die Eingangstüren geöffnet werden mussten. Besonders in Erinnerung bleiben werden uns jedoch die unzähligen schönen Ikonen, die jeden Zentimeter der Kirchenwände bedecken.

Um 12.30 brachen wir zu Fuss auf zu einer kurzen geführten Stadtbesichtigung von Luxemburg. Die Altstadt von Luxemburg liegt imponierend auf einem Felsplateau und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Um dieses Plateau fließen die beiden Stadt-Flüsse Pétrusse und Alzette. Wir besichtigten u.a. die spätgotische Kathedrale „Notre-Dame“, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde und von den Luxemburgern auch als Mariendom bezeichnet wird, dann das neo-klassizistische Luxemburger Rathaus sowie das Denkmal der Grossherzogin Charlotte, das vom französischen Bildhauer Jean Cardot entworfen und 1990 auf dem Clairefontaine-Platz aufgestellt wurde. Die Luxemburger nennen das Denkmal für die geliebte Großherzogin manchmal auch „Heeschefraa“, also „Betteldame“. Dieser wenig rühmliche Name geht darauf zurück, dass eine Hand der Statue so gestaltet worden ist, als sei sie zum Betteln ausgestreckt.

Nach der Stadtbesichtigung blieb gerade noch genug Zeit für einen kurzen Imbiss bevor wir gegen 15 Uhr die Rückfahrt nach Bern antraten, wo wir nach einem kurzen Halt vor der Grenze nach 21 Uhr müde aber zufrieden und glücklich eintrafen. Während der langen Rückfahrt hatten wir Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen, uns untereinander auszutauschen, zu beten, zu erzählen, was uns an dieser Pilgerreise am meisten beeindruckt hat und denen zu danken, die diese Pilgerfahrt ermöglicht und zu einem so wertvollen Ereignis gemacht haben, das uns lange in Erinnerung bleiben wird und von dem wir noch lange Kraft schöpfen können. Obwohl der in Gesangsform dargebrachte Dank an Vater Ioann eher etwas kärglich ausfiel und er uns dabei erst noch tatkräftig unterstützen musste, kam unsere Dankbarkeit doch aus tiefstem Herzen. Am liebsten wären wir im Bus geblieben und ewig weiter gepilgert….

Der Abschied von den andern Pilgern wäre uns noch schwerer gefallen, wäre da nicht die Gewissheit, einander am kommenden Sonntag in der Kirche wieder zu begegnen oder spätestens auf der nächsten Pilgerreise.