Das Gleichnis vom unbarmherzigen Schuldner

11.Sonntag nach Pfingsten

In diesem Gleichnis wird das Thema „Sünde und Sündenvergebung“ behandelt. Um es einfacher auszudrücken, es geht um Schuld und Verzeihung. Petrus wollte wissen, wie oft wir vergeben sollen. Als Antwort erzählte Jesus das Gleichnis vom Schalksknecht.

Es lebte einst ein gerechter König. Zu bestimmter Zeit forderte dieser von seinen Untergebenen Rechenschaft über die Gelder, die er ihnen geliehen hatte. Da kam zu ihm ein Mann. Er war dem König eine große Summe schuldig, hatte sie aber nicht rechtzeitig zurückgezahlt. Deshalb beschloß der König, den Mann zu bestrafen. Alles, was ihm gehörte, sollte umgehend eingezogen und verkauft werden, um mit dem Erlös die Schuld zu begleichen. Als dies der Mann hörte, warf er sich vor dem König zu Boden und flehte ihn inbrünstig an: „Herr, habe doch Geduld mit mir, ich werde Dir sobald wie möglich alle meine Schulden zurückzahlen!“ Der König sah, daß die Bitte des Schuldners anscheinend aus aufrichtigem Herzen kam. Daher hatte er Mitleid mit ihm, ließ ihn gehen und erließ ihm alle seine Schulden. Kaum war der Mann frei, da begegnete ihm ein Knecht, der ihm eine kleine Summe schuldete. Sogleich packte er diesen, schüttelte ihn und forderte ihn unter bösen Schimpfworten auf, umgehend den geliehenen Betrag zu entrichten. Der Knecht fiel zu Boden und unter Tränen flehte er um wenige Tage Aufschub. Der Mann aber war unbarmherzig und brachte ihn ins Gefängnis. Die Menschen in der Umgebung dieses Mannes sahen mit Entsetzen sein Tun. Und der König befahl, ihn umgehend ins Gefängnis zu werfen, wo er bleiben mußte, bis er alle seine Schulden abbezahlt hatte.

An dieses Gleichnis fügt Jesus noch folgende Worte hinzu: „Genauso wird mein himmlischer Vater mit Euch tun, wenn Ihr nicht bereit seid, Euren Schwestern und Brüdern zu vergeben.“

Es wird sogleich klar, daß mit dem König im Gleichnis der Schöpfer gemeint ist. Er verzeiht, wenn die Voraussetzungen dazu gegeben sind. Dazu gehören Einsicht von uns, Reue und der Wunsch, in Zukunft besser zu handeln, sowie das aufrechte Bemühen, das wieder gutzumachen, was einst versäumt worden war. Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann der Schuldner von seiner Last befreit werden.

Der Schuldner in dem Gleichnis hat sich der Gnade gegenüber, die ihm von dem König erzeigt worden war, als unwürdig erwiesen. Er war nicht bereit, dem Mitmenschen auch dessen Schuld zu verzeihen. So wird er zur Rechenschaft gezogen und entsprechend gerecht verurteilt.

An uns geht durch das gezeigte Beispiel die Aufforderung, ebenfalls zur Vergebung bereit zu sein. Überlegen wir zum Beispiel nur einmal, welche Gaben, wieviel Kraft, welche Möglichkeiten Gott uns verliehen hat. Bedenken wir ferner, wie wir damit umgegangen sind, welche Schulden und Verfehlungen wir im Umgang damit angehäuft haben. Dennoch ist der himlischen Vater bereit, auch uns zu vergeben, wenn wir bereit sind, im Sinne Seines Willens, Seiner Gesetze zu handeln. Dann werden wir nicht mehr schuldig werden wie bisher. Dann gehen wir an die „Abzahlung unserer Schulden“, und dann wird uns der Schöpfer auch verzeihen, denn Er sieht nicht nur unsere Schuld, sondern das Herz, das aufrichtig bemüht ist, Ihm zu folgen.

Aus dieser Erkenntnis heraus sollten wir stets bereit sein, dem Mitmenschen zu vergeben. Haben wir doch alle das hohe Gebet „Vater unser“ im Gedächtnis, in dem es lautet: „Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern“! So wie wir handelten, werden auch wir behandelt werden von einem liebenden und gerechten himmlischen Vater!