Pfingstsonntag

Fest der Heiligen Dreifaltigkeit

Liebe Brüder und Schwestern!

Herzlichen Glückwunsch zum Feiertag der Dreieinigkeit – und somit auch zum Feiertag unserer Kirchengemeinde. Im Gebet wünsche ich ihnen allen vollkommene Freude, Schaffenskraft und Erfolg für viele gute und vortreffliche Jahre!

Pfingsten – das Fest der Heiligen Dreiheit wird auch das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Apostel genannt. Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche. Denn die Kirche ist, was sie ist, einzig und allein durch die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Apostel. Das Herabkommen des Heiligen Geistes aber brachte zugleich die volle Offenbarung der Dreiheit Gottes. So ist Pfingsten auch die Vollendung des Auferstehungsglaubens uns als Feier der Heiligen Dreiheit die Schlußfeier der österlichen Zeit.

Die Kirche feiert heute Geburtstag. Nicht nur die Kirche in Bern. Nicht allein die orthodoxe Kirche. Nein, die weltweite Kirche feiert jetzt, an Pfingsten, Geburtstag. Vor mehr als 2.000 Jahren geschah in Jerusalem jenes Wunder, dass Menschen, die sich bis dahin angstvoll verkrochen hatten, mutig in die Offensive gingen, und anderen von dem erzählten, was ihrem Leben Halt gab: Von Jesus Christus, an den sie glaubten, und der ihrer Meinung nach in einzigartiger Weise Gott verkörperte. So sehr, dass sie spürten: In ihm ist uns Gott selbst nahegekommen, er ist der Sohn Gottes. Und sie waren sicher: Er wird sein Versprechen halten. Er wird uns seinen guten Geist schenken.

Und genau dieses geschah an Pfingsten. Und das war die Geburtsstunde der Kirche, weil sich nun in Windeseile überall im Römischen Reich kleine christliche Gemeinden gründeten, die schnell an Größe und Bedeutung gewannen – und vor allem immer wieder jene Events feierten: die Gottesdienste nämlich.

Vor Seinem Leiden und Seinem Tod versprach der Herr den Jüngern, ihnen den Tröster, den Geist der Wahrheit, zu senden. Vor Seiner Himmelfahrt wiederholte Er Sein Versprechen erneut. Nach der Himmelfahrt des Herrn kehrten Seine Jünger und Apostel nach Jerusalem zurück und gingen, wie die Überlieferung sagt, in dasselbe Haus auf dem Berg Zion, wo das Letzte Abendmahl stattgefunden hatte. Dorthin waren auch die Mutter Gottes und einige Frauen gekommen. Sie fühlten sich wie eine einzige Familie und beteten alle gemeinsam in Erwartung der Erfüllung der Worte des Herrn und der Herabkunft des Heiligen Geistes und machten sich bereit, Seine Gnadengaben zu empfangen.

Am zehnten Tag nach der Himmelfahrt des Herrn, genau an dem Tag, als Pfingsten gefeiert wurde und das Volk, das die Straßen und Plätze der Stadt füllte, zum Tempel ging, hörte man plötzlich ein lautes Tosen in der Luft, wie es während eines Sturms oder einer starken Windböe geschieht. Dieses Tosen kam vom Himmel und drang langsam in das Haus, wo sich die Apostel versammelt hatten, und füllte alles mit seinem reinen Ton. Es war kein Wind, sondern nur ein Laut, der ihm ähnlich war. In diesem Augenblick erschienen mitten im Haus Zungen von Feuer, sie teilten sich und blieben über dem Haupt jedes Apostels stehen. Das Tosen des Sturms, der das Haus erfüllt hatte, bereitete die Apostel auf die Ankunft des Heiligen Geistes vor, und die Feuerzungen zeigten an, dass Er gekommen war. “Der Sohn Gottes kam sichtbar in die Welt, und auch der Heilige Geist musste sichtbar kommen” – sagt der heilige Gregorios der Theologe.

Apostel und alle, die in dem Haus versammelt waren, als auf sie der Heilige Geist herabkam, begannen plötzlich in allen damals bekannten Sprachen zu reden. Dies war eine der Gaben des Heiligen Geistes. In allen Sprachen verherrlichten die Apostel die Größe Gottes, Seine wunderbaren Taten, deren Zeugen sie geworden waren und deren Sinn sie erst jetzt in ihrer Ganzheit begriffen.

Die orthodoxen Christen schmücken an diesem Tag die Häuser und Kirchen mit grünen Zweigen und Blumen. Dieser Brauch stammt noch aus der Kirche des Alten Testaments, als die Häuser und Synagogen zu Pfingsten mit Grün geschmückt wurden, als Zeichen dafür, wie auf dem Berg Sinai an dem Tag alles grünte und blühte, als Mose die Gesetzestafeln erhielt. Der Saal auf Zion war an dem Tag, als der Heilige Geist auf die Apostel herabkam, nach allgemeinem Brauch auch mit Zweigen und Blumen geschmückt gewesen. An Pfingsten wird auch der Erscheinung der Heiligen Dreiheit bei Abraham in Mamre gedacht, deshalb erinnert die mit Grün geschmückte Kirche auch an jenen Hain. Die blühenden Zweige bedeuten auch, dass die Seelen der Menschen unter der Wirkung der Gnade Gottes in Taten der Tugenden erblühen. Die Gewänder der Geistlichen und des Altares sind grün.

An diesem Tag hat der Gottesdienst folgende Besonderheit: 
Nach der Göttlichen Liturgie beginnt sofort die Große Vesper, bei der nach dem Einzug und dem Großen Prokimenon die Priester spezielle Gebete zum Heiligen Geist lesen. Diese Gebete werden nur am Pfingstfest gelesen. In ihnen erbittet die Gemeinde als Gabe des Heiligen Geistes den Nachlass der Sünden für die Lebenden und die Toten.

Der Heilige Geist ist die lebendige Gegenwart Gottes bei den Menschen nach der Himmelfahrt Christi. Denn der Heilige Geist ist Gott: eine der drei Personen (Hypostasen) Gottes. Wo er sich gibt, wie in den Mysterien (Sakramenten), da empfängt der Mensch Gott selbst. “Den Heiligen Geist lasset uns preisen,
Seine Gottheit bekennen und sprechen:
Du bist Gott, Leben, Liebe, Licht, Vernunft;
Du bist Güte; Du herrschest in die Ewigkeit der Ewigkeit!