Die Heilung zweier Blinder

7. Sonntag nach Pfingsten

Zur Zeit Jesus war Blindheit ein besonders schreckliches Los. Neben Aussätzigen, Armen und Kinderlosen wurden Blinde in ihrem Schicksal wie Tote geachtet. Sie waren ausgeschlossen aus der menschlichen Gemeinschaft, in der sie sich nur durch Betteln ein Auskommen sichern konnten. Für Blinde war das Leben ohne Hoffnung. An Heilung war damals nicht zu denken. Blinde gab es zur Zeit Jesu viele. In Israel gab es allerdings für die Blinden eine Hoffnung. Wahrscheinlich kannte jeder blinde Israelit die Weissagung des Propheten Jesaja, in der es heißt: „Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.“ Schnell werden Blinde an dieses Wort des Propheten gedacht haben, wenn sie hörten, was Jesus aus Nazareth tun konnte. Sollte er derjenige sein, von dem der Prophet geschrieben hatte? Warum nicht? All seine Werke, von denen Blinde nur hörten, sprachen dafür. Jesus von Nazareth musste der verheißene Retter sein.

Die beiden Blinden in unserem Predigtwort waren jedenfalls überzeugt davon. Ihr Glaube zeigt sich dabei in zweierlei Weise. Sie haben nur das Zeugnis anderer Menschen für ihren Glauben. Was sie von anderen gehört haben, gibt ihnen das Vertrauen in Jesus. Sehen konnten sie es nicht. Und doch war ihr Glaube so stark und ihre Hoffnung so groß, dass sie in ihrer äußeren Blindheit Jesus folgten. Sie, die von aller Welt verachtet wurden liefen dem hinterher, den damals noch viele Menschen verehrten und liebten. Ja, der Glaube der Blinden erweist sich auch darin, wie sie Jesus ansprechen. Sie fordern nichts, als würden sie einen Anspruch auf Jesu Hilfe haben. Es ist eine ehrerbietige Bitte, mit der sie ihm folgen. „Ach, du Sohn Davids, erbarme die unser!“ Ja, sie wissen, wer Jesus ist. Sie glauben daran, dass er der Messias, der verheißene Retter ist. Sie bitten um sein Erbarmen. Ihrer eigenen Unwürdigkeit sind sie sich bewusst. Doch ihr Glaube vertraut auf die Barmherzigkeit des Messias. Dieser Glaube lässt die Männer auch dann hinter Jesus hergehen, als er nicht gleich gehört hat und ihren Glauben auf die Probe stellte. Bis in sein Haus folgen die Männer dem Messias. Erst dort dürfen sie erleben, wie ihr Wunsch in Erfüllung geht. Sie sehen den Mann, an den sie in ihrer Blindheit geglaubt haben. Jesus sprach zu beiden: „Euch geschehe nach eurem Glauben!“

Die Wunder Jesu geschahen zweifellos, um den betroffenen Menschen zu helfen. Und doch sind sie mehr als bloße Heilungen. An der Heilung der beiden Blinden sehen wir, was Jesus eigentlich bei den Menschen sucht. Ja, wir erkennen, was er auch an uns sucht: Gläubige Herzen, die ihm vertrauen. In gewisser Weise geht es uns heute wie den beiden Blinden. Wir können Jesus nicht mit eigenen Augen sehen. Doch wir hören von ihm. Wie lesen in unseren Bibeln, was Jesus in seinen Erdentagen getan hat. Wir hören, wie er Blinde sehend, Lahme gehend gemacht hat und wir hören, wie er das Evangelium gepredigt hat. Wann immer wir diese Berichte hören, wollen sie Glauben in uns wecken. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Die beiden Blinden in unserem Predigtwort waren selig und wir sollen es auch sein. Dabei ist es auch nicht immer leicht voll und ganz Jesus zu vertrauen. Wir erleben Not und Anfechtungen und beten inständig zu unserem Herrn, aber es scheint, als sei es umsonst. Wir laufen wie die Blinden Jesus nach und es scheint, als würde er uns nicht zur Kenntnis nehmen. Und doch bedeutet sein Schweigen nie Abneigung und Desinteresse. Wie die Blinden, so ergeht seine Frage auch immer an uns: „Glaubt ihr, dass ich das tun kann?“ Und immer sucht er die Antwort: „Ja, Herr!“

Jesus sucht gläubige Herzen, die ihm vertrauen. Wir alle sollten uns bei unseren Gebetsanliegen die Frage stellen, ob wir deren Erfüllung wirklich von Jesus erwarten. Traun wir es ihm zu, in allen Bereichen unseres Lebens helfen zu können? Sei es unsere Gesundheit, die durch schwere Krankheiten bedroht ist oder unsere tägliche Arbeit im Beruf, Jesus will auch dort, dass wir ihm vertrauen. Unser alltägliches Leben soll auf ihm gründen und ein Leben voller Vertrauen zu sein. Dieses Vertrauen zu ihm müssen wir uns immer wieder stärken lassen. Diese zwei Blinden kannten die Weissagungen Jesajas und glaubten deshalb, das Jesus der Sohn Davids, also der verheißene Messias ist. Wir wissen heute noch mehr. Wir wissen, dass Jesus nicht nur Blinde, Stumme und Lahme geheilt hat. Er hat vor alles getan, damit geistliche Augen sehend werden. Jesaja durfte über den kommenden Messias schreiben: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Was für Krankheit hat Jesus getragen? Unsere Blindheit, in der wir Gott nicht als gnädigen, liebevollen Vater erkannt haben, trug Jesus ebenso ans Kreuz, wie unsere Sprachlo- sigkeit, in der wir Gott nicht lobten und ihm nicht die Ehre gaben, die ihm gebührt. Ja, Jesus trug die Krankheit unserer lahmen Glieder ans Kreuz, die nicht in der Lage waren, all die Dinge zu tun, wozu sie durch ihren Schöpfer bestimmt waren. All unsere Verlorenheit hat er mit seinem Tod überwunden. Die Wurzel aller irdischen Not hat er ausgerissen und so eine ganzheitliche Heilung möglich gemacht. Für unsere Genesung sucht er nun aber auch gläubige Herzen, die ihm vertrauen. Ja, dieses Vertrauen hat er verdient. Die Heilung zweier Blinder zeigt uns: Jesus sucht gläubige Herzen! Herzen, die ihm vertrauen und Die ihm gehorsam sind!