„Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“

3. Sonntag nach Pfingsten

Die heutige sonntags Evangeliumsperikope ist der Bergpredigt entnommen. Unser Herr sagt darin, dass das Auge dem Körper Licht gibt. „Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein. Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein.“ Mit „Auge“ meint Er die Seele, denn das Auge ist das Fenster der Seele. Wir sind zuallererst aufgerufen unsere Seele zu reinigen und zu pflegen. Das Spirituelle hat den ersten Rang in unserem Leben. Wenn unsere Seele erst einmal rein ist, dann wird auch unser Leib sauber sein.

Auch können wir nicht zwei Herren dienen, dem Herrn der materiellen Welt und dem Herrn der spirituellen Welt. Deshalb können wir nicht Gott dienen, dem Herrn des Geistigen, und dem Mammon, dem Herrn der gefallenen Welt. (Das Wort „Mammon“ ist einfach dаs Wort, das Christus in Seiner Sprache für „Geld“ benutzte). Und Er sagt uns, dass wir das Geistliche in den Vordergrund rücken müssen und dass sich dann alles andere ergeben wird: „Euch aber muss es zuerst um Sein Reich und Seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“

Wie meistens geht es bei Christus auch hier wieder um eine Einstellung zum Leben. Es ist die Kritik an der falschen Sicherheit, die Besitz und Reichtum geben. Reichtum und Besitz sind sehr vergänglich. Sorgt euch lieber um Schätze im Himmel, sagt Jesus. Und das ist so einfach formuliert, und so schwer umzusetzen. Wie sammelt man Schätze im Himmel? Kann man bei Gott Punkte sammeln? Sicher nicht. Aber der Glaube ist nicht materiell. Was ist mir wichtiger, Zeit für Gott zu haben, oder Überstunden zu machen? Aber Gewinnstreben ist nicht alles! „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz!“ Dieser Satz macht sehr deutlich, dass man nicht einfach sagen kann: Armut ist gut, Reichtum schlecht. So einfach ist es nicht. Aber woran hängt das Herz?

„Sorgt euch nicht um euer Leben“, sagt unser Herr. Die Vögel werden von Gott ernährt, die Blumen wachsen, sie machen sich keine Sorgen. Er sagt uns, wir sollten uns nicht darum kümmern, was morgen geschieht oder nicht geschieht. Das Evangelium sagt uns, dass wir unser Bestes tun und den Rest Gott überlassen sollten, Gott vertrauen sollten. Das moderne Leben aber drängt uns zur dauernden Sorge, zum Stress. Diese Sorge verursacht Depressionen, denn sie schließt Gott und Seine liebende Vorsehung aus. Auch die schlimmsten Situationen können sich positiv entwickeln, wenn wir nur Gott in unser Leben und in unsere Gesellschaft einfügen. Christus geht noch weiter: Quält euch nicht mit Sorgen. Macht euch keine schlaflosen Nächte, wenn es um eure Grundbedürfnisse geht: essen und trinken, Kleidung und Wohnung. Natürlich ist das alles wichtig! Aber: „Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?“ Christus verbietet uns hier nicht, „täglich Brot zu verdienen“. Aber welchen Stellenwert nimmt das ein? Wie viel Sorgen macht man sich um Dinge, die man gar nicht beeinflussen kann?

Es geht um das grundsätzliche Vertrauen auf Gott. Wenn ich Gott vertraue, dann bekomme ich alles, was ich wirklich brauche. Allerdings gibt es nach dem „zuerst“ auch ein „und dann“. Also schon Prioritäten, aber nicht alles andere vergessen! „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“

Diese Werte, nämlich den geistigen Dingen Priorität zu geben, sind die Werte der Heiligen Gottes. Sie sind das genaue Gegenteil der Werte der modernen Gesellschaft, die ganz anderen Werten Priorität einräumt. Indem wir dem Evangelium folgen, fordern wir die ganze Grobheit und Barbarei der sündige Welt heraus. Die geistigen Werte beweisen, dass die einzig wahre Umkehr die Umkehr ist, die im einzelnen Menschenleben und in der Gesellschaft als ganzes geschieht, wenn Herz und Seele das Geistige in den Vordergrund rücken.