Verklärung Jesu Christi

Hochfest

Als sich Jesus mit Seinen Jüngern in Cäsarea Philippi befand, nahm Er drei von ihnen Petrus, Jakobus und Johannes und stieg mit ihnen auf einen Berg. Danach verließ Er sie und ging etwas höher, um alleine zu beten. Es geschah etwas, was sich nicht mit der irdischen, menschlichen Gestalt, des Meisters vereinbaren ließ, aus Ihm erstrahlte Seine göttliche Natur. Als die Jünger vom Schlaf erwachten, sahen sie plötzlich ihren Lehrer Jesus Christus in Herrlichkeit, Sein Gewand war weiß wie Schnee, und Sein Gesicht war verklärt. Er sprach mit zwei Propheten Mose und Elia. Der erste war schon lange gestorben, aber der zweite hatte den Tod noch nicht erfahren, weil er lebendig in den Himmel aufgenommen worden war. Der erste war ein überragender Prophet, dem Gott die ersten Gebote Seines Gesetzes gegeben hatte und der zweite soll, da er seinen irdischen Weg noch nicht vollendet hat, vor der Wiederkehr Christi wiederkehren.

In dem Verklärungsgeschehen leuchtet punktuell auf, was die Bestimmung unsrer menschlichen Existenz ist. Christus ist in die Welt gekommen, um die aus dem Paradies verbannte Menschheit wieder in die Gegenwart Gottes zurückzuholen. Die Verklärung des Menschen, diese Umformung unsrer Natur in die vergöttlichte Existenz – genau dies will das griechische Wort Metamorphosis sagen – ist nicht allein das Resultat eines Denkvorgangs oder eines Geschehens, das über uns kommt. Verklärung des Menschen geschieht nicht ohne Askese. Jede Gottesbeziehung eines Menschen verlangt nach Vertiefung, wie eine Liebesbeziehung. Vertiefung aber ergibt sich nicht von selbst ohne Opfer und Askese. Die Vergöttlichung des Menschen kommt gerade in der Verklärung Christi in einer wunderbaren Weise zum Ausdruck, weil der Mensch nicht nur mit seiner geistlichen, sondern auch seiner leiblichen Existenz in die Begegnung mit Gott hineingezogen wird. Die Taufe leitet diese Vergöttlichung ein. Die Taufe ist ein Sterben heraus aus der universalen Macht des Todes und eine zweite Geburt zugleich.

Auch in der Betrachtung der Eucharistie ist die Vergöttlichung des Menschen ein tragendes Element. Die vorausgenommene paradiesische Gemeinschaft wieder mit Gott leuchtet auf wie in dem Gespräch der Propheten des Alten Bundes und der Jünger mit dem verklärten Christus.

Verklärung Christi und Verklärung der Menschen will die im Sündenfall zerbrochene Gottähnlichkeit des Menschen wiederher stellen.

Es ist in der Orthodoxen Kirche an diesem Feste die reif werdenden Erstlinge (je nach dem Klima) von Weintrauben, Äpfeln und anderen Früchten, Weizenähren usw., in der Kirche zum Weihen zu bringen. An diesem Festtag sind die Gewänder der Geistlichen und der Schmuck der ganzen Kirche weiß, in Erinnerung an die Farbe des Gewandes des verklärten Erlösers.

Da sich die Verklärung auf dem Berg Tabor ereignete, heißt das Licht, das die Jünger gesehen haben, auch „das Taborlicht”. Es ist das ungeschaffene Licht Gottes selbst. Der heilige Metropolit Gregorios Palamas schrieb im XIII. Jahrhundert, dass dieses ungeschaffene Licht vom Menschen aufgenommen werden kann, ihm zugänglich ist. Die Möglichkeit der Erkenntnis Gottes in diesem Licht ist für uns eine Offenbarung und Anlass der großen Freude an diesem Fest. Christi Verklärung ist das Fest Seiner göttlichen Herrlichkeit. Der Herr schenkt den Menschen die wahre Gotteserkenntnis, in der Er sich ihnen als Gnadenlicht offenbart, das den Menschen die Erfahrung großer Freude schenkt:

Du wurdest verklärt auf dem Berge, Christus, Gott, und zeigtest Deinen Jüngern Deine Herrlichkeit, soweit sie es vermochten. Lass auch uns Sündern Dein ewiges Licht erstrahlen, durch die Fürbitten der Gottesgebärerin. Lichtspender Ehre sei Dir!

Auf dem Berge wurdest Du verklärt, und Deine Jünger sahen Deine Herrlichkeit, Christus, o Gott, soweit sie es vermochten: auf dass sie, wenn sie Dich gekreuzigt sahen, das freiwillige Leiden verstehen könnten Und der Welt verkünden, dass Du in Wahrheit des Vaters Abglanz bist.