Christliche Liebe

19.Sonntag nach Pfingsten

In der heutigen Evangeliumslesung spricht Christus von der christlichen Liebe nicht in allgemeinen Worten, sondern sehr konkret, einfach und verständlich. Die christliche Liebe ist immer etwas Konkretes, weil sie in den Taten und Werken und weniger in den Worten ersichtlich ist.

Aus Liebe wird christliche Liebe, ja sogar Göttliche, wenn derjenige, der liebt, sich selbst vergisst. Sich selbst bis zum letzten zu vergessen, ist den Heiligen eigen, zu Lieben jedoch, ohne dafür etwas zu verlangen, ohne dafür Gegenliebe zu erbitten, zu fordern oder zu erpressen oder irgendeine Form von Dankbarkeit, ist der Beginn der christlichen Liebe. Ein erstes Kriterium ist also zu lieben durch Werke und nicht durch Worte. Die Worte werden vom Winde verweht! Heute bin ich, morgen bin ich nicht mehr. Zweites Kriterium der Konkretheit ist, dass es in der Liebe darum geht, zu geben und nicht zu nehmen. Wer liebt, der gibt… Er schenkt Dinge wie das Leben oder sich selber an Gott und an alle anderen Mitmenschen.

Die christliche Liebe, wächst dann zur Liebe Christi heran, wenn die freie Gabe zu lieben sich nicht mehr nur auf die Geliebten bezieht (dieses vermögen alle Menschen), sondern auch auf die Ungeliebten, ja sogar auf die, die uns hassen, die uns als Feinde ansehen, die wir als Fremde betrachten. Wir sind dazu berufen mit einem weiten Herzen zu lieben. Eine solche Großzügigkeit, auch eine angeborene, ist davon gekennzeichnet, dass der Mensch danach dürstet zu geben, dass er sich freut, wenn er etwas verschenken kann, was er nicht nur nicht braucht, sondern was ihm gerade sehr viel bedeutet, ja in letzter Konsequenz sogar sein Herz, seine Gedanken, sein Leben. Das ganze Leben aber ist für uns eine Schule der Liebe.

Christus zeigt uns den Weg, wie man das Lieben lernen kann: Jedesmal, wenn ich auf jegliche Form von Hass, Verleumdung, Ablehnung und Entfremdung seitens eines anderen mit Rückzug in sich selbst reagiere und meine, dass dieser Mensch mir fremd ist und mein Feind, solle ich mir sagen, dass ich mich so aus dem Mysterium der Liebe ausschliesse – nicht nur in mir, sondern auch für mich –, dass ich so nicht mehr in Gott bin und ausserhalb der Bruderschaft der Menschen und dass ich mich nicht mehr einen Jünger Christi nennen darf. Bei der christlichen Liebe gehe es nicht um Romantik sondern um die Unterstützung des Nächsten. Die christliche Liebe hat immer eine besondere Beschaffenheit: sie ist konkret. Jesus selbst spricht sehr konkret, wenn er über die Liebe spricht. Er sprach davon, dass man den Hungernden zu essen geben soll, die Kranken soll man besuchen gehen und weitere konkrete Dinge. Wenn diese Konkretheit fehlt, dann lebt man ein vorgetäuschtes Christentum, denn man versteht dann nicht, wo die christliche Botschaft da zu finden ist.

Christus hat nicht umsonst gesagt, dass der Weg ins Himmelreich eng ist und das Tor schmal. Der Weg ist sehr eng und das Gebot Christi verlangt von uns alles ab. Es ist deshalb so schonungslos, weil es die Sphäre der Liebe betrifft und nicht nur die des Gesetzes. Das Gesetz stellt bestimmte Regeln für das Leben auf, doch es endet immer irgendwo und jenseits dieser Grenzen sind wir frei von ihm. Liebe jedoch kennt keine Grenzen, sie erfordert bis zu Ende unsere gesamte Existenz.

Lasst uns diese Liebe lernen, indem wir uns von ihr entflammen lassen, uns von uns selbst abkehren und zu Opfern bereit sind, denn nur dann können wir wirklich sagen, dass wir zu Jüngern Christi geworden sind.